Themenfreitag: Elterngespräche


Ich persönlich finde ja, dass der schwierigste und anstrengendste Teil unserer Arbeit die Elterngespräche sind. Da spreche ich jetzt nicht von Fixterminen, wie Elternabend oder Elternsprechtag, sondern vor allem von spontanen "Gesprächen" zwischen Tür und Angel oder kurz vor Unterrichtsbeginn. Auch wenn man anfangs klar kommuniziert, dass man das nicht so handhaben will, gibt es doch immer wieder Eltern, die "ja nur schnell" etwas loswerden wollen.


Vorab klarstellen

Übernimmt man eine Klasse neu (egal ob eine 1. oder eine höhere Schulstufe), sollte man zu Beginn gleich festhalten:


Elterngespräche können bei Bedarf gerne abgehalten werden, solange man gemeinsam einen Termin vereinbart hat und das Thema vorab bekanntgibt. Das gilt sowohl für den Lehrer, als auch für die Eltern.

Es gibt nichts Unangenehmeres (egal von welcher Seite aus), wenn man zu einem Gespräch gebeten wird, ohne vorher zu wissen, ob es um die Leistung, einen Vorfall in der Klasse oder einfach nur Fragen allgemein geht. Beide Seiten fühlen sich wohler, wenn sie grob wissen, was sie erwartet und können sich dann gegebenenfalls darauf vorbereiten.


Vorbereitung

Geht ein Gesprächstermin von euch aus, dann solltet ihr den Eltern kurz und knapp sagen, worum es geht (Verhalten in der Klasse, Leistungssteigerung, Leistungsabfall, Hausaufgabensituation, geplante Unterstützung im Unterricht,…). So können die Eltern vorab überlegen, welches Elternteil zum Gespräch kommen wird. Wenn beispielsweise nur Papa die Hausübungen mit dem Kind macht, hat es wohl kaum Sinn, wenn dann Mama beim Gespräch sitzt. Außerdem ist es für euch wichtig, euch auf das Gespräch vorzubereiten. Welche Aufzeichnung habe ich? Was ist vorgefallen? Was können wir tun, um das Problem anzugehen (Lösungsvorschläge sind immer wichtig!)?

Überlegt euch vorab auch Fragen, die in dem Zusammenhang mit dem Problem stehen könnten:

Gibt es private Veränderungen (Umzug, neues Geschwisterchen, Krankheit, Todesfall,…)?

Wie sieht die Lernsituation/ der Tagesablauf/ Lernatmosphäre zuhause aus?

Wann geht das Kind abends ins Bett? (wenn Konzentrationsstörungen in der Klasse auftreten)


Legt euch zum Gespräch alle Unterlagen und aufgeschriebenen Fragen zurecht. Ich halte die Gespräche gerne auf Kindertischen ab, die ich zu einer Insel forme (an den langen Seiten aneinander schieben. So ist genug Platz zwischen Lehrer und Eltern und man fühlt sich gleichwertig.


Protokoll

Ein Protokoll zu führen, ist immer von Vorteil. Schreibt vorab alle eure Fragen und Informationen auf und lasst Platz für gemeinsame Vereinbarungen oder Lösungsstrategien. All das wird während oder am Ende des Gesprächs kurz und knapp im Protokoll ergänzt. Notiere auch Datum, Uhrzeit und welche Personen anwesend waren und lasse das Protokoll am Ende unterschreiben. Die Aufzeichnungen dienen dazu, dass du jederzeit nachsehen und belegen kannst, dass die Eltern zu diesem und jenem Thema eingeladen wurden. Sollte es zu einem Ansuchen für einen anderen Lehrplan kommen (zb.), kannst du so schon Unterlagen zu vergangenen Gesprächen vorlegen.

Man weiß anfangs nicht immer, welche Themen, Kinder oder Eltern sich schwieriger gestalten oder entwickeln. Deshalb ist hier das protokollieren für alle ratsam. Was man hat, das hat man.


Gespräch führen

Meist laufen Elterngespräche angenehm und einsichtig ab. Wichtig sind hier folgende Punkte:

  • Beginne das Gespräch mit positiven Punkten (Ihre Tochter hat sich sozial wirklich wundervoll entwickelt! Ihr Sohn gibt sich beim Lernwörtertraining momentan sehr viel Mühe!)

  • Beginne das Gespräch (vor oder nach deinem Lob) gerne auch mit einer Frage: „Wie läuft es momentan mit Sara zuhause?“ Meist sprudelt es nach so einer Frage aus den Eltern heraus. Sie erzählen viele private Punkte, die oft auch gleich das Problem aufzeigen, oder die Ursache erkennen lassen.

  • Gehe auf Erzähltes ein und verbinde es mit deinem Problem: „Solche Vorfälle, von denen Sie zwischen ihren Töchtern berichten, kenne ich aus der Pausensituation mit Ihrer Tochter Larissa. Sie zieht auch hier öfter Kinder an den Haaren, Sie sind mit dem Thema nicht alleine. In welchen Situationen kommt das Ziehen der Haare zuhause vor?“

  • Sei verständnisvoll: „Ich verstehe, dass sie beim Thema Hausübung am Ende Ihrer Kräfte sind. Wir finden gemeinsam eine Lösung! Sara liegt uns beiden sehr am Herzen!“ Wenn die Eltern merken, dass das Gespräch kein „an den Pranger stellen“ ist, sondern ein gemeinsames Suchen nach Lösungen, verläuft es viel angenehmer und offener.

  • Spiegeln: Vor allem bei schwierigen Eltern, hilft oftmals das Spiegeln. Dazu nimmt man die gleiche oder eine ähnliche Körperhaltung ein, wie das Gegenüber (Arme verschränken, zurücklehnen, lächeln,…). So fühlen sich die Eltern nicht eingeschüchtert oder bedroht, sondern gleichwertig.

  • Lösungsideen: Sucht GEMEINSAM nach Lösungen für das Problem. Das macht die Durchführung der Strategien einfacher, weil man sich nicht überrumpelt fühlt. Außerdem sollen Lösungen innerhalb der Klasse und auch für zuhause gefunden werden. WIR lösen GEMEINSAM das Problem. (Leistung: Differenzierung im Unterricht, Nachhilfe zuhause – Verhalten: klärende Gespräche und klare Konsequenzen zuhause, Sozialprojekt in der Schule)

  • Beende das Gespräch positiv: „Sara ist ein tolles Kind, machen Sie sich nicht zu große Sorgen, wir bekommen das hin.“


Schwierige Eltern

Was schwierige Eltern sind, muss ich nicht näher ausführen J Ihr wisst, welche Eltern ich da meine.

Hier ein paar Tipps:

  • Spiegeln (siehe oben)!

  • Selbstsicherheit vermitteln: Auch wenn du unsicher und nervös bist, darfst du dir es nicht anmerken lassen. Mit einem Stift in der Hand und einem leeren Heft am Tisch kann man Unsicherheiten verbergen. Der Stift gibt dir Halt und es kommt nicht zu unsicherem Streichen durch die Haare, Kratzen im Gesicht oder Kratzen am Nagelbett. Das Heft am Tisch dient dazu, dass du „Notizen“ machen kannst, wenn du kurz nachdenken möchtest, bevor du antwortest. Lege das Heft so auf, dass dein Gegenüber nicht den Inhalt sieht (von unten nach oben aufklappen) und schreibe HALLO hinein J

  • Verstärkung: Hole die pädagogische Unterstützung durch einen Lehrer, der das Kind auch gut kennt (Integrationslehrerin, Beratungslehrerin oder Turnlehrerin,…). Dadurch kommt das Selbstvertrauen – man ist nicht alleine!

  • Beende das Gespräch, wenn DU es beenden willst. Stehe dazu selbstbewusst auf (gerne auch während jemand spricht), schau auffällig auf die Uhr und gehe langsam Richtung Türe. Auch wenn der Elternteil noch spricht, wird er aufstehen und langsam den Ausgang aufsuchen. So kann man die Dauerredner auch mal stoppen.

Ich hoffe, es waren ein paar hilfreiche Tipps dabei J

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